Der Mühlstein November 2024
Ziegen, die ihnen Milch für Butter und Käse sowie Fleisch liefern. Die Haare der Yaks verwenden sie für die Herstellung von Seilen. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen bei plus 6° bis minus18°, wobei aufgrund der extremen Sonneneinstrahlung in dieser Höhe auch Tagestemperaturen von bis zu 20° erreicht werden. In dem riesigen, langgestreckten Tal des Transhimalaya, das der Yar lung Tsanpo durchzieht, beschert der Fluß den dort seßhaften Men schen allerdings auch Lebensbedingungen, unter denen Ackerbau und Landwirtschaft als Ernährungsgrundlage auch in dieser Höhe möglich sind. Der Fluß schwemmt auf seinem Verlauf aus den Eis stauseen im Hochland eine Sedimentfracht von Hunderttausenden Tonnen an Lös mit sich, die zu einer ständigen Änderung des an man chen Stellen des Flußes mehrere Kilometer breiten Flußbettes führen. Die Sedimentfracht setzt sich an den Ufern des Flusses ab und bildet dort fruchtbare Böden, auf denen eine Landwirtschaft mit zahlreichen Gemüse- und Pflanzensorten betrieben wird, was dieser hochgelege nen Ökoregion die Bezeichnung „Brotkorb Tibets“ eingebracht hat. Die Felder werden von Bauern in einer kurzen Vegetationsperiode im Frühjahr und Sommer bewirtschaftet. Sie leben als Seßhafte in Dörfern in den Tälern des Hochlandes. Ihre Häuser sind mehr oder minder bescheidene Hütten mit einfachen Feuer- und Schlafstellen. Neben Gemüse und anderen Pflanzen bauen diese Landwirte auch Gerste auf ihren Feldern an. Gerste muß wie jede Getreideart vor ihrer Verwendung zur Herstel lung von Brot oder als Bestandteil anderer Speisen zu Mehl vermah len werden. Entsprechend dem niedrigen Entwicklungsstand in den abgelegenen Dörfern verwendet der weibliche Teil der dortigen Be völkerung, dem der Haushalt und damit auch die Zubereitung von Nahrungsmitteln sowohl in den Hütten in den Dörfern wie auch in der Jurten der Nomaden obliegt, zur Herstellung von Mehl einfache Handdrehmühlen (Quernen), tibetisch „Tsamba-Mühlen“ genannt. Dabei wird durch einen hölzernen Stick, der in einem Loch am Rande des Läufersteins eingelassen ist, per Hand der Läuferstein in eine Drehbewegung versetzt und so das Getreide zwischen Läufer- und Lagerstein zermahlen. Andere Vermahlungstechniken sind weder unter den Nomaden noch unter den in den abgelegenen Dörfern lebenden Bauern vorhanden, zumal es sowohl in den Jurten der Nomaden wie auch in den Hütten der Bauern keinen elektrischen Strom gibt, mit dem Motormühlen be trieben werden könnten. So konkretisiert sich mangels technischer Voraussetzungen für eine weiterentwickelte Vermahlungstechnik im Hochland von Tibet im Bereich des Yarlung Tsanpo bzw. Brahmaputra
Viehherden vor einer Jurte auf der tibetischen Hoch ebene
Nomadin beim Melken einer Yak-Kuh
Eine Dorbewohnerin beim mühseligen Transport von Brennmaterial in einem Dorf
Der Betrieb einer archaischen Handdrehmühle (Tsam ba-Handmühle) in einer Nomadenjurte
das Phänomen der „Gleichzei tigkeit des Ungleichzeitigen“.
ziehen sie mit ihren Jurten (Nomadenzelten) über die Hochebenen und betreiben auf der Hochsteppe eine ex tensive Weidewirtschaft in einer extrazonalen kargen Ve getationsregion, die geographisch gesehen auf der Breite der Subtropen liegt. Diese Nomaden ernähren sich von Yaks, Schafen und
Handdrehmühle (Querne) in einem europäischen Mühlenmuseum
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DGM – Wir. Bewegen. Mühlen.
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