Der Mühlstein November 2024
Gundolf Scheweling, Marienhafe / Ostfriesland Windräder in den Prärien der USA Wenn von Windmühlen und Windkraftanlagen die Rede ist, fällt Mühlenexperten zumeist eine größere Anzahl von Mühlentypen ein, von der Bockwindmühle über Kokerwindmühlen bis zu Holländer windmühlen in Form von Turm-, Erd-, Wall- oder Galerieholländer u.a. Nur selten wird eine Art von Mühlen bzw. Windkraftanlagen erwähnt, die heute noch in vielen Ländern der Welt verstärkt Anwendung finden, in Deutschland aber selten geworden oder gänzlich verschwunden sind: die sog. Windräder (oder Windturbinen). Lange Zeit befand sich in der „Leybucht“ in Ostfriesland nahe des Fischer ortes Greetsiel ein solches Windrad, das der Versorgung der vor und auf dem Abschlußdeich der „Leybucht“ weidenden Viehherden mit Wasser diente. In den USA gab es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts viele unter schiedliche Typen dieser Windräder mit jeweils unterschiedlichen technischen Ausrüstungen. Weit verbreitet waren und sind die Wind räder in den Präriestaaten des mittleren Westen der USA, wo auf riesigen Weideflächen große Rinderherden weideten. Deren täglicher Wasserbedarf wurde mittels zahlreicher Windräder gedeckt. Da diese Windräder zumeist außerhalb der Sichtweite der Farmen lagen, mußten sie technisch so konstruiert sein, daß sie zum einen wochenlang auch ohne Wartung oder Aufsicht funktionierten. Zum anderen mussten sie über einen zuverlässigen Brems- und auto matisierten Drehmechanismus verfügen, der bei Präriestürmen die Windräder zuverlässig abbremste oder sie aus dem Wind drehte, um die Zerstörung durch eine überhöhte Umdrehungszahl zu verhindern. Während es bei den o.g. historischen Mühlentypen in Europa beim Betrieb der Anwesenheit des Müllers oder der Müllerknechte bedurf te, die bei zu starkem Wind die Mühle abzubremsen bzw. aus dem Wind zu drehen hatten, entfiel dies bei den Windrädern der amerika nischen Präriestaaten. Auf dem 16. TIMS-Symposion im September 2024 hielt der ameri kanische Experte für Windräder, T. Lindsay Baker aus Texas, einen vielbeachteten Vortrag über die in Nordamerika in den Präriestaaten verbreiteten Windräder (in seinen zahlreichen Publikationen „wind mills“ genannt). Baker ist Direktor eines Zentrums für Industriegeschichte in der texa nischen Stadt Thurber und hat mehrere Publikationen veröffentlicht, darunter „American Windmills: An Album of Historic Photographs“. Darin sind180 Abbildungen historischer Windturbinen in Nordameri ka für unterschiedliche Nutzungen und die
Bakers Buch „American Windmills“
on, ein Standardwerk über Windräder „A Field Guide to Ameri can Windmills“ um fasst 528 Seiten, zu dem gibt Baker eine „Windmill Gazette“ heraus.
Bakers Standardwerk „A Field Guide to American Windmills“
Müllerschwur aus dem 19. Jahrhundert
Bauweise fabrikmäßiger Windturbinen sowie die innovativen Eigenkonst ruktionen begabter Konstrukteure abgebildet. Eine zweite Publikati
Lindsay Baker bei seinem Vor trag in Portugal.
Der Mühlstein . Heft 3/2024
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