Der Mühlstein November 2024
Gesucht: Wer kennt dieses Windrad? Am Rande eines kleinen Waldes in der Gemarkung von Willebadessen-Schönthal im Kreis Höxter, Reg.Bezirk Det mold nahe der Stadt Warburg, befand oder befindet sich auf einem opffensichtlich nicht mehr benutzten wasser turm-ähnlichen Gebäude ein Windrad.
Aufklärung der Frage: „Wer kennt dieses Windrad?“ Im Mühlstein 2/2024 war unter dieser Überschrift ein Foto eines wasserturmähnlichen Gebäudes mit einem Windrad auf dem Dach veröffentlicht worden. Im August 2008 erfolgte daraufhin von Dr. Lutz Dietrich Herbst, Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege Ba den-Württemberg, eine Erklärung zu dem merkwürdigen Was serturm mit Windrad. Herbst hatte 2017/18 im Auftrage des Biberacher Kulturam tes die Geschichte der Windkraftnutzung in Oberschwaben zugunsten einer Buchveröffentlichung untersucht. Dabei ent deckte er im schlecht untergebrachten Dachbühnen-Archiv des Bad Wurzacher Stadtteils Seibranz (Ldkrs. Ravensburg) einen Firmenprospekt der im 2. Weltkrieg bombardierten und ausgebrannten Sächsischen Stahl-Windmotorenfabrik G.(Gustav) R. (Robert) Herzog in Dresden. Der Prospekt ist aufgrund der kriegsbedingten Umstände eine firmen- und technikgeschichtliche Rarität. Herbst hatte das Deutsche Museum in München, das ein umfangreiches Fir menarchiv auch von Dresdener Maschinenbauunternehmen unterhält, gebeten, sich dieses Relikts anzunehmen, bevor es im Ortsarchiv dieser kleinen Allgäuer Gemeinde völlig unter geht – leider bis heute vergebens. Auch der Stadtarchivar rührte sich nicht, und das zugesagte Buch ist trotz der Zusage von 2020 bzw. 2022 nicht erschienen. Zurück zum Windrad auf dem Wasserturm. Herbst erläuterte dazu Folgendes: Das Dresdener Maschinenbauunternehmen G.R. Herzog stellte seine Windradmodelle „Goliath“ und „Ath let“ auch als Aufbauten für Wasserpumpen von Villen- und Amtshäusern, Fabriken und (Bahn-)Wassertürmen her, die nicht an die damals noch junge kommunale Wasserversor gung angeschlossen waren. Das Unternehmen des einst königlich sächsischen Kanonenbohrmeisters Herzog blieb je doch ein Außenseiter unter den Windturbinenherstellern des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Erfolgreicher waren die
Leider gibt es bei der Fundstelle dieser mühlentechnischen Kuriosität keine Angaben zur Funktion des Windrades auf dem mutmaßlichen Wasserturm. Diente die Windrose zum Betätigen einer Pumpe für den Wasserturm oder diente der Wasserturm als höheres Gebäude in der Landschaft als Plattform für eine bessere hindernisfreie Nutzung von Winden?
Informationen ggf. bitte an die Redaktion des „Mühlstein“ (siehe Rückseite)
gammelt trotz Denkmaleigenschaft im Bad Wurzacher Orts teil Talacker vor sich hin) sowie die Deutschen Windturbinen Werke Rudolph Brauns mit dem sehr weit verbreiteten Modell „Herkules“. „Herkules“-Windturbinen stehen in vielen süddeutschen Frei lichtmuseen, und Herbst konnte selber ein ziemlich zusam mengerostetes Exemplar dieser Art im Aulendorfer Ortsteil Steegen (Ldkrs. Ravensburg) für das Biberacher Kreisfrei
Dresdener Wind motoren- und Pumpenfabrik Carl Reinsch mit dem Modell „Patent Ul tra“ (das letzte Ex emplar dieser Art in Oberschwaben
lichtmuseum Kürnbach retten. Dort begrüßt es seit 2018 die Mu seumsbesucher.
Firmenprospekt der Firma G.R. Herzog
Briefkopf der Firma G.R. Herzog
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DGM – Wir. Bewegen. Mühlen.
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